Gallapfeltinte ist eine langsame Tinte. Sie beginnt blass, schreibt graublau und dunkelt erst später zu der fast schwarzen Linie nach, die wir mit alten Handschriften verbinden. Dieser langsame Wandel ist kein Fehler, sondern die Natur der Tinte. Anders als kohlenstoffbasierte Tinten, die auf der Oberfläche liegen, reagiert Eisengallustinte mit dem Papier selbst; dadurch ist der endgültige Strich ungewöhnlich beständig.
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Was Gallapfeltinte wirksam macht
Galläpfel sind runde Wucherungen, die sich an Eichen bilden, nachdem eine Gallwespe ihre Eier gelegt hat. Der Baum bildet eine schützende Hülle um die Larven, und diese Hülle ist reich an Gerbstoffen. Wenn man ein Eisensalz wie Eisensulfat zu einem wässrigen Extrakt dieser Galläpfel gibt, verbinden sich die Gerbstoffe mit dem Eisen zu einem löslichen blauschwarzen Pigment. Während die Flüssigkeit trocknet und mit Sauerstoff in Berührung kommt, oxidiert sie zu dem dunkleren Eisentannat.
Gummi arabicum ist die dritte wichtige Zutat. Es ist ein natürliches Gummi, das das Pigment in der Schwebe hält und der Tinte einen gleichmäßigen, kontrollierten Fluss aus der Feder verleiht. Zu wenig Gummi ergibt dünne, kratzige Linien; zu viel ergibt eine sirupartige Flüssigkeit, die die Feder verstopft.
Viele mittelalterliche und frühneuzeitliche Handschriften wurden mit einer Tinte aus dieser Familie geschrieben. Die dunkelsten erhaltenen Linien wirken noch immer schwarz, weil das Pigment in den Fasern sitzt und nicht nur auf ihnen liegt. Dieselbe Reaktion kann dem Papier zusetzen, wenn zu viel Eisensulfat verwendet wird; deshalb kommt es auf die Mengenverhältnisse an.
Materialien
Bevor du beginnst, sammle:
- Getrocknete Galläpfel
- Eisensulfat (auch als Eisenvitriol oder Ferrosulfat erhältlich)
- Gummi arabicum
- Destilliertes Wasser
- Ein Glasgefäß zum Ansetzen und Mischen
- Ein feines Sieb oder Tuch
- Eine kleine Flasche mit Korken oder Deckel zur Aufbewahrung
Verwende getrocknete Galläpfel. Wenn du frische gesammelt hast, breite sie auf einem Tablett an einem warmen, luftigen Ort aus und lasse sie vor dem Zerkleinern trocknen. Eisensulfat kann Haut und Augen reizen; trage Handschuhe, vermeide das Aufwirbeln von Staub und halte das Pulver von Kindern fern.
Ein kleiner Topf aus nicht reaktivem Material ist nützlich, falls du die weiter unten beschriebene Warmextraktion wählst. Verwende keinen Topf und keinen Löffel aus Eisen, Stahl oder Aluminium.
So stellst du Gallapfeltinte her
1. Die Galläpfel zerkleinern
Lege die getrockneten Galläpfel in ein festes Tuch und zerkleinere sie mit einem Hammer, Nudelholz oder einem sauberen Stein. Die Stücke sollten etwa erbsengroß oder kleiner sein; feines Pulver erschwert das Filtern. Nimm für die erste Charge 30 g.
2. Die Galläpfel in Wasser ansetzen
Gib die zerkleinerten Galläpfel in ein Glasgefäß und übergieße sie mit 300 ml destilliertem Wasser. Bedecke das Gefäß mit einem Tuch und lasse es 24 bis 48 Stunden bei Zimmertemperatur stehen. Das Wasser nimmt einen warmen Braunton an. Wenn du eine schnellere Extraktion bevorzugst, erwärme Galläpfel und Wasser 45 Minuten lang sanft, ohne sie kochen zu lassen, und lasse sie vor dem Abseihen abkühlen. Ein kalter Ansatz ergibt oft eine klarere, weniger trübe fertige Tinte.
3. Die Gerbstoffflüssigkeit abseihen
Gieße die Flüssigkeit durch ein feines Tuch oder einen Filter. Sammle die dunkelste Flüssigkeit und entsorge die zerkleinerten Galläpfel. Drücke nicht den letzten Rest Fruchtfleisch durch das Tuch, denn winzige Fasern verstopfen später die Feder.
4. Das Eisensulfat zugeben
Wiege 12 g Eisensulfat ab und rühre es langsam in die abgeseihte Flüssigkeit. Die Mischung verändert sofort ihre Farbe und beginnt auszusehen wie Tinte. Bedecke das Gefäß locker und lasse die Flüssigkeit über Nacht stehen. Sauerstoff ist Teil der Reaktion, also verschließe das Gefäß nicht vollständig.
5. Gummi arabicum vorbereiten und zugeben
Löse 6 g Gummi arabicum in etwas heißem destilliertem Wasser auf, lasse es abkühlen und rühre es in die Tinte. Gib es nach und nach hinzu, denn die ideale Menge hängt von der Stärke deines Gerbstoffextrakts und der Feder ab, die du verwenden möchtest.
6. Die Tinte ruhen lassen und abfüllen
Nach einigen Tagen setzt sich die Lösung ab. Gieße die klarere Flüssigkeit in eine kleine Flasche ab und lasse den Bodensatz zurück. Verschließe die Flasche nur locker oder öffne sie von Zeit zu Zeit, damit die Tinte weiterhin Sauerstoff aufnehmen kann. Frisch hergestellte Gallapfeltinte schreibt eine blass blaugraue Linie; die dunkle Farbe erscheint, während die Tinte oxidiert. Teste sie auf Altpapier und bewahre das Testblatt für einen Vergleich nach einer Woche auf.
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Farbe und Fluss kontrollieren
Das oben angegebene Verhältnis ist ein Ausgangspunkt, keine feste Regel. Für eine dunklere Anfangslinie gibst du Eisensulfat in kleinen Mengen hinzu und wartest einen Tag, bevor du entscheidest. Für ein kräftigeres Braun-Schwarz lässt du die Galläpfel länger ziehen oder gibst eine weitere kleine Portion zerkleinerter Galläpfel zum Extrakt. Wenn die Tinte nach einer Woche flau oder grau wirkt, treibt etwas mehr Eisensulfat sie ins Dunklere.
Lass dich nicht verleiten, zu viel Eisensulfat zu verwenden. Überschüssiges Eisen ist der Grund, warum Eisengallustinte den Ruf hat, Papier anzufressen. Am sichersten ist es, die Eisenmenge zurückhaltend zu halten und auf die stetige Oxidation zu vertrauen, um die Farbe zu vertiefen.
Der Fluss wird fast vollständig über das Gummi arabicum gesteuert. Wenn die Tinte aussetzt oder sich an der Oberseite der Feder sammelt, gib einen Tropfen gelöstes Gummi arabicum zur Flasche und schüttle sie sanft. Wenn sich die Tinte klebrig, glänzend oder schwer aus einem Pinsel auswaschen lässt, hast du zu viel zugegeben. In der Regel behebt das Verdünnen mit destilliertem Wasser das Problem.
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Die Tinte zum Zeichnen und Schreiben verwenden
Gallapfeltinte verwendest du am besten mit einem Federhalter, einem Federkiel oder einem Pinsel. Fülle sie nicht in einen Füllfederhalter, es sei denn, deine Charge wurde außergewöhnlich gut gefiltert und du bist bereit, den Füller gründlich zu reinigen; selbst gemachte Eisengallustinte kann die Mechanik des Füllers verstopfen und angreifen.
Mit einem Federhalter musst du häufig eintauchen. Die Tinte fließt nicht so stark wie eine industriell hergestellte Kohletinte, und die Feder braucht einen frischen Vorrat, um eine durchgehende Linie zu ziehen. Spüle die Feder alle paar Minuten in sauberem Wasser, um die winzigen Partikel zu entfernen, die sich im Spalt sammeln. Trockne sie vorsichtig mit einem Tuch.
Beim Zeichnen kannst du das blasse Anfangsstadium zu deinem Vorteil nutzen. Lege lockere, helle Striche auf, lasse sie trocknen und baue dann dunklere Schichten auf. Der endgültige Tonwert wird tiefer sein, als es zunächst den Anschein hat; höre also auf, bevor das Blatt überarbeitet wirkt. Eine Nacht Ruhe zeigt den wahren Ton.
Verdünnte Lasuren sind ebenfalls nützlich. Stelle ein kleines Gefäß mit klarem destilliertem Wasser neben die Tinte. Tauche einen Pinsel ins Wasser, berühre damit die Tinte und mische auf einer Palette, bis die Lasur die gewünschte Stärke hat. Diese blassen Lasuren bleiben nicht für immer blass; sie dunkeln durch dieselbe Oxidation nach, die auch die kräftigeren Linien dunkler macht.
Fehlerbehebung
- Trübe Tinte: Lass die Flasche mehrere Tage stehen und gieße die klare obere Schicht ab.
- Aussetzende und ungleichmäßige Linien: Gib etwas mehr gelöstes Gummi arabicum hinzu oder spüle die Feder häufiger.
- Nach einer ganzen Woche noch blass: Gib eine Spur mehr Eisensulfat hinzu, warte zwei Tage und teste erneut.
- Die Linie läuft auf dem Papier aus: Die Mischung ist zu nass; gib Gummi arabicum hinzu und teste auf einem weniger saugfähigen Papier.
- Bodensatz in der Flasche: Schüttle die Flasche vor dem Befüllen einer Feder nicht. Tauche von oben ein und lasse das abgesetzte Material unten.
Warum manche alten Tinten Bestand haben
Die Beständigkeit von Eisengallustinte ist nicht einfach eine Frage des Alters. Bei einer gut hergestellten Charge setzt sich das Eisenpigment in den Papierfasern fest, was es lichtbeständiger macht als viele Farbstoffe. Deshalb enthalten unzählige alte Handschriften noch immer dunkle, lesbare Striche. Bei schlecht hergestellten Chargen hinterließ überschüssiges Eisensulfat einen Säurerückstand, der das Papier im Laufe der Zeit schwächte. Das Gegenmittel ist, das alte Rezept zu respektieren: genug Gerbstoff aus den Galläpfeln, eine maßvolle Menge Eisen und Gummi arabicum, um die Tinte gleichmäßig zu halten.
In kleinen Chargen hergestellt, trägt Gallapfeltinte den Charakter ihrer Zutaten. Der erste Strich wirkt zögerlich, oxidiert dann zu einer dunklen, ruhigen Linie. Diese Wartezeit gehört zum Handwerk.