Ein Streichmaß gehört zu den stillen Notwendigkeiten der Handwerkzeug-Arbeit. Es zieht eine Linie parallel zu einer Kante verlässlicher, als ein Bleistift es kann, und seine feine Stift- oder Messermarkierung gibt Säge, Stemmeisen oder Hobel einen klaren Ansatzpunkt.
Diese Ausführung verwendet eine Hartholzleiste, die durch einen hölzernen Anschlag gleitet und mit einem Keil in der gewünschten Einstellung gehalten wird. Es ist ein bescheidenes Projekt, verlangt jedoch dieselben Gewohnheiten wie größere Arbeiten: rechtwinklige Flächen, aufmerksame Beachtung der Faserrichtung, ein sauberer Schlitz und eine Passung, die durch schrittweise Anpassung statt durch Gewalt entsteht.
Die folgenden Maße sind Vorschläge und keine festen Regeln. Passe das Streichmaß an die Größe der Arbeiten an, die du voraussichtlich machen wirst. Ein kleines Streichmaß ist angenehm für Schachteln und Schubladen; eine längere Leiste ist nützlich, wenn du Korpusteile anreißt.
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Materialien und Werkzeuge
Wähle feinjähriges Hartholz für Anschlag, Leiste und Keil. Buche, Ahorn, Kirsche, Esche, Eiche oder ähnlich feste Reststücke eignen sich gut. Für einen ersten Versuch kann auch Weichholz funktionieren, doch das Stiftloch und die Auflagefläche des Anschlags werden sich früher abnutzen.
Du brauchst:
- Einen Rohling für den Hartholzanschlag, etwa 35 bis 45 mm dick, 45 bis 60 mm breit und 80 bis 110 mm lang
- Eine Hartholzleiste, etwa 10 bis 14 mm dick, 18 bis 25 mm breit und 220 bis 300 mm lang
- Einen Keilrohling aus demselben oder einem passenden Hartholz
- Ein kurzes Stück Messingstab, einen Stahlstift oder den glatten Schaft eines kleinen Nagels
- Holzleim, falls du den Stift zusätzlich sichern möchtest
- Leinöl, Wachs oder eine andere leichte Oberflächenbehandlung
Nützliche Werkzeuge sind Anreißmesser, Anschlagwinkel, Ahle, Bohrer und Bohrerbits, Rückensäge oder Zapfensäge, Stemmeisen, Holzhammer, Putzhobel, Raspel oder Feile sowie Schleifpapier. Eine Bohrwinde mit Bohrer ist für diese Art Arbeit besonders angenehm, doch auch eine Handbohrmaschine genügt.
Ein Hinweis zu den Proportionen
Der Anschlag sollte breit genug sein, um sicher an einer Kante geführt zu werden, ohne unhandlich zu werden. Seine lange Fläche ist die Bezugsfläche; lass daher ausreichend Material um den Schlitz stehen, damit sie steif und eben bleibt. Die Leiste sollte frei gleiten, aber nicht klappern. Eine schmale Leiste wirkt elegant, doch eine zu dünne kann sich beim Anreißen durchbiegen.
Der Stift sollte nahe der Unterseite der Leiste sitzen. So bleibt die Arbeitsspitze dicht am Anschlag, und die Leiste neigt sich unter Druck weniger zum Verdrehen.
Das Holz vorbereiten
1. Anschlag und Leiste rechtwinklig hobeln
Hoble den Anschlagrohling rechtwinklig und eben. Wähle eine lange Fläche als Bezugsfläche: Sie wird am Werkstück entlanglaufen. Hoble sie sorgfältig und brich anschließend nur die scharfen äußeren Kanten. Runde die Bezugsfläche selbst nicht ab; eine breite, ebene Auflagefläche macht das Streichmaß zuverlässig.
Hoble die Leiste gerade, rechtwinklig und glatt. Ihre Flächen müssen nicht hochglanzpoliert sein, aber entlang ihrer ganzen Länge gleichmäßig. Eine Leiste mit wechselnder Dicke wird entweder im Anschlag klemmen oder bei manchen Einstellungen Spiel haben.
Markiere beim Arbeiten eine Bezugsfläche und eine Bezugskante an beiden Teilen. Diese einfache Gewohnheit sorgt dafür, dass alle späteren Anrisse von denselben Flächen ausgehen.
2. Den Schlitz im Anschlag anreißen
Reiße den Schlitz für die Leiste mittig über die Breite des Anschlags an. Lege ihn etwas oberhalb der vertikalen Mittellinie an, statt genau darauf, sodass unter der Leiste mehr Holz stehen bleibt. Der untere Teil des Anschlags nimmt beim Anreißen viel Druck auf und profitiert von dieser zusätzlichen Materialstärke.
Der Schlitz sollte der Dicke der Leiste genau entsprechen. Bei einer 12 mm starken Leiste sollte der Schlitz etwa 12 mm breit sein. Seine Länge sollte etwas größer als die Breite der Leiste sein, damit die Leiste hindurchlaufen kann und auf einer Seite noch Raum bleibt, an dem der Keil anliegt.
Eine bewährte Anordnung besteht aus einem rechteckigen Durchbruch für die Leiste und einer von oben in den Anschlag geschnittenen Keilöffnung. Je nach Ausrichtung drückt der Keil die Leiste nach unten oder seitlich gegen eine Wand des Schlitzes. Entscheidend ist, dass der Keil die Leiste festzieht, ohne den Anschlag auseinanderzudrücken.
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Schlitz und Keilöffnung ausarbeiten
3. Den Schlitz für die Leiste bohren und ausstemmen
Bohre eine Reihe von Löchern innerhalb der Schlitzlinien und bleibe dabei knapp innerhalb der Anrissmarkierungen. Bohre von beiden Seiten, falls dein Bohrer nicht lang genug ist, um sauber durchzugehen. Lege die Austrittsseite mit einem Reststück Holz unter, um Ausrisse zu verringern.
Stemme das verbleibende Material mit einem scharfen Stemmeisen aus. Arbeite abwechselnd von beiden Seiten und halte das Stemmeisen rechtwinklig zur Bezugsfläche. Probiere die Leiste häufig aus. Sie sollte sich mit leichtem Handdruck einsetzen lassen und ohne merkliches seitliches Spiel gleiten.
Versuche nicht, die Passung durch Eintreiben der Leiste zu erzwingen. Eine Leiste, die einen Hammer braucht, wird bald Druckstellen bekommen, sich bei jahreszeitlicher Holzbewegung festsetzen oder das Einstellen des Streichmaßes unerquicklich machen. Pare die Schlitzwände sparsam nach, bis die Leiste ruhig gleitet.
4. Die Keilöffnung formen
Reiße auf der Oberseite des Anschlags eine Öffnung an, die in eine Seite des Schlitzes für die Leiste mündet. Säge in diese Öffnung hinab und entferne dann das Material mit einem Stemmeisen. Die Öffnung braucht nur genug Raum, damit der Keil eintreten und auf die Leiste drücken kann.
Halte die Keilwirkung einfach. Ein flacher Keilwinkel, etwa ein Teil Steigung auf sechs oder acht Teile Länge, lässt sich besser kontrollieren als ein steiler. Ist der Keil zu steil, kann er sich plötzlich lösen; ist er zu flach, muss er sich zu weit bewegen, bevor er greift.
Mache den Keil lang genug, um ihn bequem zwischen Daumen und Finger halten zu können. Sein Arbeitsende sollte schmal, aber nicht bruchgefährdet sein. Hoble die Keilflächen glatt und gerade und probiere ihn dann in der Öffnung aus. Er sollte die Leiste mit einem leichten Schlag oder festem Daumendruck klemmen, nicht durch heftiges Eintreiben.
Klemmt der Keil, bevor die Leiste sicher fest sitzt, nimm etwas Material von seiner Unterseite ab. Erreicht er den Grund, ohne zu greifen, fertige einen etwas dickeren Keil an, statt eine schlechte Passung zu erzwingen.
5. Die Passung verfeinern
Setze die Leiste ein, schiebe den Keil hinein und versuche, die Leiste zu bewegen. Sie sollte sich nicht merklich verschieben, wenn du leicht daran ziehst oder sie nach unten drückst. Löse den Keil und vergewissere dich, dass sich die Leiste mühelos einstellen lässt.
Hier liegt das Herzstück des Werkzeugs. Ein Keil, der zuverlässig hält, ist wertvoller als ein makellos aussehender Anschlag. Nimm dir dafür Zeit, nimm dünne Späne ab und prüfe häufig.
Den Anreißstift einsetzen und schärfen
6. Das Loch für den Stift bohren
Markiere an einem Ende der Leiste auf der Unterseite die Position des Stifts, etwa 10 bis 15 mm vom Ende entfernt. Bohre ein Loch, das etwas kleiner als der Stift oder Stab ist. Richte es in einem flachen Winkel nach oben zum gegenüberliegenden Ende der Leiste aus, sodass die Spitze unterhalb der Leiste austritt und beim Gebrauch leicht nachläuft.
Eine nachlaufende Spitze bleibt weniger leicht in der Faser hängen. Der Stift sollte nur etwa 1 bis 2 mm unter der Leiste hervorstehen. Ein weiter Überstand erzeugt zwar eine tiefere Linie, bleibt jedoch leichter hängen und kann Fasern ausreißen.
Bei einem Nagelschaft schneide den Kopf vor dem Einsetzen mit einer Zange oder Metallsäge ab. Spanne die Leiste mit schützenden Holzbacken in einen Schraubstock und halte die Finger vom Schnittbereich fern. Feile das frei liegende Ende zu einer feinen, leicht gerundeten Spitze. Eine nadelspitze Schneide ist nicht nötig; eine kleine, haltbare Spitze, die ritzt statt zu furchen, ist besser.
Presse den Stift in sein Loch. Ist die Passung locker, gib einen kleinen Tropfen Leim in das Loch, setze den Stift ein und wische überschüssigen Leim sofort ab. Lass jeden Leim vollständig aushärten, bevor du den Stift schärfst oder das Streichmaß benutzt.
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Das Streichmaß formen und behandeln
7. Die Teile brechen, ohne die Bezugsflächen zu beeinträchtigen
Fase die oberen Kanten von Anschlag und Leiste mit Putzhobel, Stemmeisen oder Schleifpapier. Diese kleinen Fasen machen das Werkzeug angenehm in der Hand und schützen die Ecken vor Ausbrüchen.
Lass die untere Bezugsfläche des Anschlags eben. Du kannst ihre beiden äußeren Längskanten ganz leicht brechen, doch vermeide es, eine gerundete Sohle zu erzeugen. Der Anschlag braucht vollen, stabilen Kontakt zur Werkstückkante.
Kürze das der Stiftspitze gegenüberliegende Ende der Leiste bei Wunsch zu einer sanften Rundung oder kleinen Fase. Das hat keinen Einfluss auf die Genauigkeit, entfernt aber eine empfindliche scharfe Ecke.
8. Eine leichte Oberflächenbehandlung auftragen
Eine dünne Schicht Leinöl oder Pastenwachs genügt. Trage sie sparsam auf, lass sie einziehen und wische die Flächen anschließend trocken. Halte Oberflächenmittel vom Schlitz fern, bis du sicher bist, dass die Leiste richtig passt; Öl oder Wachs können eine enge Passung vorübergehend verändern und die Fehlersuche erschweren.
Sobald die Oberfläche trocken ist, reibe etwas Wachs auf die Leiste und in den Schlitz, falls das Gleiten rau wirkt. Die Leiste sollte sich leise bewegen und sicher festklemmen lassen.
Das Streichmaß einstellen und verwenden
Stelle den Anschlag an einem Lineal, Kombinationswinkel oder einem sorgfältig markierten Probestück ein. Verschiebe die Leiste auf den gewünschten Abstand, drücke den Keil fest und kontrolliere die Einstellung, bevor du wertvolles Holz anreißt.
Halte den Anschlag fest an die Werkstückkante. Neige das Streichmaß ganz leicht in Bewegungsrichtung, damit der Stift nachläuft. Ziehe es mit leichtem Druck in einem ruhigen Zug zu dir. Mehrere zarte Züge ergeben meist eine sauberere Linie als ein kräftiger, besonders bei schwieriger Faser.
Bei Verbindungslinien verwende das Streichmaß bei zusammengehörigen Teilen stets von derselben Bezugsfläche aus. Wenn du ein Brett von seiner Sichtseite und ein anderes von der gegenüberliegenden Seite anreißt, können kleine Dickenunterschiede als schlecht ausgerichtete Verbindungen sichtbar werden.
Nützliche Fehler, die du vermeiden solltest
Die Leiste zu stramm machen
Eine stramme Leiste kann zunächst beruhigend wirken, erschwert jedoch feine Einstellungen und führt leicht zu Druckstellen. Der Keil sorgt für den Halt; die Leiste selbst sollte leicht gleiten.
Einen zu steilen Keil verwenden
Ein steiler Keil kann plötzlich festklemmen oder sich bei wiederholtem Gebrauch lockern. Ein längerer, flacherer Keil bietet mehr Kontrolle und verteilt den Druck schonender im Anschlag.
Den Stift zu weit vom Anschlag entfernt setzen
Ein hoch oder weit versetzt sitzender Stift vergrößert die Hebelwirkung und lässt die Leiste leichter verdrehen. Halte den Stift niedrig und nahe am Arbeitsende der Leiste.
Den Anschlag zu stark abrunden
Ein schön weich geformter Anschlag kann unzuverlässig werden, wenn seine Auflagefläche nicht mehr eben ist. Erhalte eine klare Bezugsfläche und brich nur die nicht arbeitenden Kanten.
Den Stift tief ins Werkstück drücken
Ein Streichmaß dient dazu, eine feine, wiederholbare Linie anzureißen. Starker Druck kann Fasern ausreißen und den Anschlag von der Kante wegziehen. Lass die scharfe Spitze die Arbeit erledigen.
Ein gut gemachtes hölzernes Streichmaß wird mit dem Gebrauch vertrauter. Der Keil entwickelt eine polierte Anlagefläche, die Leiste beginnt mit gleichmäßigem Gefühl zu gleiten, und der Anschlag erhält die kleinen Spuren gewöhnlicher Arbeit. Trocken aufbewahrt, leicht gewachst und mit einem scharfen Stift versehen, bleibt es ein nützlicher Begleiter zum Anreißen von Verbindungen, Falzen, Nuten und stillen parallelen Linien.